Selbstverletzung + Suizidalität

Suizide bei Kindern und Jugendlichen

Suizidalität, also Gedanken und Pläne, sich selbst etwas anzutun, ist ein häufiges Symptom einer Depression. Viele Suizide passieren vor dem Hintergrund psychischer Störungen, besonders häufig liegt eine Depression zugrunde. Bei einer Depression besteht also eine besonders hohe Suizidgefährdung.

Suizidgedanken sollten deshalb immer ernst genommen werden. Wichtig dabei ist, dass Eltern bzw. Freunde mit dem betroffenen Menschen ins Gespräch kommen, ihm Hilfe anbieten und Anlaufstellen kennen, wo professionelle Hilfe angeboten wird.

Wenn Sie bemerken, dass Ihr Kind oder Freund eine anhaltende unberechenbare Stimmung hat, einen Plan zur Selbsttötung äußert oder wenn Sie als Eltern keinen Zugang mehr zu Ihrem Kind finden können, sollte umgehend eine Praxis oder Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie kontaktiert und sofort ein Termin wahrgenommen werden.

Im Fall einer konkreten Suizidankündigung ist es wichtig, den Rettungsdienst unter 112 oder die Polizei unter 110 zu benachrichtigen oder sofort die nächstgelegene Klinik aufzusuchen! Begleiten Sie Ihr Kind oder Ihren Freund dorthin!

Folgende Warnzeichen deuten auf akute Suizidalität hin (Mehler-Wex, 2008):

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Alarmzeichen

wenn

  • ein Abschiedsbrief verfasst wird
  • konkrete Planung zur Durchführung bestehen
  • jemand schon früher Suizidversuche unternommen hat

Umgang mit anderen Menschen

wenn

  • sich jemand zurückzieht
  • Todesgedanken auftreten
  • wichtige persönlicher Dinge verschenkt, noch offene Angelegenheiten geklärt werden

Verhalten

wenn

  • das Äußere vernachlässigt wird
  • stark verändertes oder untypisches Verhalten gezeigt wird
  • tägliche Aufgaben vernachlässigt werden
  • Drogen- oder Alkoholmissbrauch vorliegt

Seelisches Befinden

wenn

  • Symptome einer Depression gezeigt werden
  • jemand stark grübelt
  • ein Leistungseinbruch in Schule oder Ausbildung zu beobachten ist
  • sich jemand intensiv mit dem Thema Tod (Zeichnungen, Lesestoff, Gedichte, Chats etc.) beschäftigt
  • plötzlich eine gelöste Stimmung nach einer depressiven Phase auftritt

nach Mehler-Wex (2008) Depressive Störungen. Manuale psychischer Störungen bei Kindern und Jugendlichen. Heidelberg Springer.

Selbstverletzung

Wenn sich jemand gezielt Wunden zufügen, z.B. durch Ritzen der Haut oder Aufkratzen von Wunden spricht man von selbstverletzendem oder autoaggressivem Verhalten. Im Rahmen von unterschiedlichen psychischen Erkrankungen können solche Selbstverletzungen auftreten. Die Bedeutung dieses Verhaltens für Betroffenen selbst ist höchst unterschiedlich. Einige berichten, dass ihnen die Selbstverletzung hilft, Spannungen abzubauen und sich selbst zu spüren. Anderen hilft die Selbstverletzung, einen Suizid zu verhindern. Für Angehörige ist das Verhalten oft sehr irritierend und ruft Sorge und Angst hervor. Für die betroffenen jungen Menschen selbst ist es vielmehr eine Lösung, mit der schwierigen Lebenssituation und ihren seelischen Nöten umzugehen. Eine andere Lösung haben sie momentan nicht zur Verfügung. Im Rahmen einer Psychotherapie können neue Verhaltensweisen erlernt werden, um das selbstverletzende Verhalten aufzugeben.

Als Eltern oder Freund können Sie unterstützen, indem Sie dem jungen Menschen ernst nehmen und nicht ablehnen oder ihm die Schuld geben. Halten Sie außerdem Desinfektions- und Verbandsmaterial bereit. Tiefe Verletzungen müssen ärztlich versorgt werden. 

Alternativen zum selbstverletzenden Verhalten

Unterstützen Sie junge Betroffene als Angehörige, indem Sie alternative Wege anbieten, um Druck und Spannung abzubauen. Das können beispielsweise sein:

  • mit einem Gummiband an die Hand schnipsen
  • starke Wärmecreme auftragen
  • auf eine Chilischote beißen
  • auf ein Kissen einschlagen
  • eiskalt Duschen
  • wild tanzen
  • einen Wutball zusammendrücken
  • nicht allein lassen
  • mehrmals täglich nachfragen, wie groß der Druck ist, sich selbst zu verletzen

Wenn Sie bemerken, dass das autoaggressive Verhalten zunimmt, sollten Sie gemeinsam mit dem Betroffenen unbedingt wieder zum behandelnden Arzt gehen und professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.