Für Eltern

Herausforderungen und gemeinsam Auswege finden

Wenn Ihr Kind depressiv ist, braucht es besondere Aufmerksamkeit, Liebe und Zuwendung. Das stellt für Eltern eine besondere Herausforderung dar. Oft haben Eltern das Gefühl, alles falsch gemacht zu haben und fühlen sich schuldig. Hinzu kommt die Sorge um das eigene Kind oder es kommt durch Streitereien oder Momente der Verzweiflung zu Erschöpfungszuständen.

Gerade in dieser schwierigen Situation ist es für Eltern besonders wichtig, sich selbst nicht aus dem Blick zu verlieren. Nur wenn es Ihnen selbst gut geht, können Sie gut für Ihr Kind sorgen und haben die nötige Kraft dafür. Als Mutter oder Vater sind Sie natürlich eine der wichtigsten Stützen für Ihr Kind. Auch wenn es zunächst schwer fallen mag - nehmen Sie Unterstützung von Verwandten, Freunden und Fachleuten an.

Der Austausch in einer Selbsthilfegruppe kann auch hilfreich sein. Gruppen in ihrer Nähe finden Sie beispielsweise über die NAKOS - Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen.

Bleiben Sie mit der Erkrankung Ihres Kindes nicht allein!

Depression ist eine Erkrankung und kein "Fehler", der versteckt werden müsste. Es gibt viele Möglichkeiten und Hilfestellung, die den Alltag mit einem depressiven Kind leichter machen.

Balance zwischen Anforderungen und Entspannung finden

Ihr Kind benötigt jetzt besonders viel Zuwendung und Liebe. Dennoch sollten Sie versuchen, Ihrem Kind nicht alle Aufgaben abzunehmen. Loben Sie Ihren Sohn oder Ohre Tochter vielmehr, wenn er oder sie Aufgaben alleine bewältigt oder wieder etwas wagt. Vielleicht können Sie auch gemeinsam darüber sprechen, welche Aufgaben Ihr Kind übernehmen kann. Auch ist es sinnvoll, sich mit dem behandelnden Arzt oder Therapeut abzustimmen, um eine zu frühe Überforderung zu vermeiden. 

Im Ausgleich zu den Aufgaben, die Ihr Kind wieder bewältigt, sind entspannende Momente sehr wichtig. Unsere Ideensammlung zum Thema Gesund bleiben gibt ein paar Anregungen, um Stress zu reduzieren und das Wohlbefinden zu fördern.

Positive Aktivitäten

Ihr Kind ist vor der Erkrankung gern Fahrrad gefahren, hat ein Instrument gespielt oder ist gern ins Kino gegangen? Es liebte ein ausgedehntes Frühstück oder spielte gern Karten? Versuchen Sie die Aktivitäten, die Ihr Kind früher gern gemacht hat, wieder in den Alltag zu integrieren. In Abstimmung mit den Therapeuten werden oft genaue Tagespläne erarbeitet. Struktur und Regelmäßigkeit helfen Ihrem Kind und bieten Verlässlichkeit. Helfen Sie ihrem Kind, die Tagesstruktur einzuhalten.

Generell ist es hilfreich, den Blick auf das Positive zu wenden. Haben Sie ein offenes Ohr, wenn Ihr Kind mit Ihnen reden möchte und bestärken Sie es in alldem, was es schon wieder leisten kann. Vielleicht können Sie auch gemeinsam für die Probleme, die Ihr Kind nennt, nach Lösungen und Ideen suchen? Was kann Ihr Kind allein bewältigen? Ermutigen Sie es immer wieder, selbst nach Wegen zu suchen und unterstützen Sie da, wo es nötig ist.

Bauchschmerzen, Kopfschmerzen und Co.

Kinder und Jugendliche zeigen ihre Depression auch durch körperliche Beschwerden. Häufig kommen Kopfschmerzen, Magen-Darmbeschwerden oder Rückenschmerzen vor. Die betroffenen Kinder simulieren nicht, sondern nehmen die körperlichen Einschränkungen deutlich wahr und fühlen sich schlecht. Für Sie als Eltern ist es wichtig zu wissen, dass hinter den Beschwerden selten andere schwere Erkrankungen stecken. Bei Fragen können Sie sich auch immer beim Haus- und Kinderarzt vorstellen. Im Rahmen der Diagnosestellung der Depression wird übrigens auch eine körperliche Untersuchung durchgeführt, um andere Erkrankungen auszuschließen.

Rückschläge gehören dazu

Ihr Kind wird nicht von jetzt auf gleich wieder so aktiv sein, wie es vor der Erkrankung war. Viele kleine Schritte sind nötig und manchmal gehören eben auch Rückschläge dazu. Gerade am Anfang einer Behandlung sind selbst kleine, selbstverständliche Aufgaben wir z.B. das morgendliche Aufstehen für Ihr Kind eine große Herausforderung und verlangen viel Kraft.

Auch nach einer überstandenen Depression und einer gelungenen Behandlung kann es sein, dass Ihr Sohn oder Ihre Tochter zu einem späteren Zeitpunkt im Leben wieder depressiv wird. Wenn Sie die Symptome kennen und aufmerksam sind, kann die Behandlung früh einsetzen. Ein chronischer Verlauf kann so verhindert werden.

Was Sie als Eltern tun können

  • Akzeptieren Sie die Gefühle Ihres Kindes.
  • Seien Sie für Ihr Kind da. Nutzen Sie die gemeinsame Zeit und reden Sie miteinander.
  • Verstärken Sie jedes nichtdepressive Verhalten.
  • Unternehmen Sie gemeinsam etwas Entspannendes, Angenehmes, Erfreuliches.
  • Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind sich ausreichend bewegt.
  • Versuche Sie Ihr Kind zu motivieren, sein Zimmer zu verlassen und soziale Kontakte zu pflegen.
  • Ermuntern Sie Ihr Kind, Gedanken aufzuschreiben oder zu zeichnen.
  • Schaffen Sie eine warme und einfühlsame Familienatmosphäre. Üben Sie weniger Kritik. Stärken Sie Ihr Kind durch Anerkennung und Lob.
  • Sorgen Sie für Erfolgserlebnisse, die das Selbstwertgefühl des Kindes stärken
  • Ignorieren Sie auf keinen Fall Drohungen, sich das Leben zu nehmen! Es steckt immer etwas dahinter.
  • Achten Sie darauf, dass es Ihnen gut geht.
  • Nehmen Sie die Krise als Chance zur Veränderung.

 (angelehnt an Nevermann, Christine (2009): Depression im Kindes- und Jugendalter)

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