Tipps für Angehörige

Akzeptieren Sie die Depression als Erkrankung!

Ziehen Sie einen Arzt zu Rate!

Wie bei allen schweren Krankheiten sollten Sie so schnell wie möglich ärztlichen Rat einholen. Ergreifen Sie die Initiative und vereinbaren Sie für Ihr Kind oder gemeinsam mit dem betroffenen Freund einen Arzttermin. Da depressive Menschen häufig die Schuld für ihr Befinden bei sich selbst suchen und nicht an eine Erkrankung denken, halten sie einen Arztbesuch oft nicht für nötig. Weil Hoffnungslosigkeit zur Depression gehört wie der Schnupfen zur Grippe, glauben viele junge Depressive auch nicht, dass ihnen überhaupt geholfen werden kann. Auch fehlt vielen Erkrankten die Kraft, sich zu einem Arztbesuch aufzuraffen. Daher ist die Unterstützung von Eltern oder einem guten Freund beim Gang zum Arzt oft sehr wichtig.

Bleiben Sie geduldig!

Viele Depressive äußern Klagen und Verzweiflung, oft ziehen sie sich auch von ihrer Umwelt zurück. Zeigen Sie Geduld mit dem Patienten; erinnern Sie Ihn stets daran, dass die Depression eine Erkrankung ist, die vorübergeht und sich gut behandeln lässt. Versuchen Sie nicht, den Betroffenen von der Grundlosigkeit seiner Schuldgefühle zu überzeugen. Lassen Sie sich nicht auf Streit darüber ein, ob seine negative Sichtweise "objektiv" gerechtfertigt sei oder nicht. Beides wird keinen Erfolg bringen. Tun Sie die körperlichen Missempfindungen und Krankheitsängste des Depressiven nicht als übertrieben oder "nur psychisch bedingt" ab, denn depressive Menschen dramatisieren ihr Erleben nicht. Es ist die Depression, die auch leichte Schmerzen oder Missempfindungen ins kaum Erträgliche steigert.

Wenden Sie sich nicht von ihrem erkrankten Angehörigen ab, auch wenn er noch so abweisend erscheint.

Überfordern Sie sich nicht!

Ist ein junger Mensch über Monate hinweg depressiv, belastet die Krankheit sicher auch Sie als Eltern, Geschwisterkind oder Freund. Deshalb ist es wichtig, dass Sie die Grenzen Ihrer Belastbarkeit kennen und eigenen Interessen nicht aus den Augen verlieren. Tun Sie sich öfter etwas Gutes, pflegen Sie die Kontakte im Freundeskreis. Bauen Sie zu Ihrer Unterstützung ein Netzwerk von Freunden und Bekannten auf oder organisieren Sie sich auf andere Weise Hilfe. Viele Einrichtungen und Beratungsinstitutionen des psychiatrischen Versorgungssystems bieten Hilfe, Beratung und Betreuung für Angehörige und ihre erkrankten Familienmitglieder.

Seien Sie zurückhaltend mit gut gemeinten Ratschlägen!

Es hat keinen Sinn, einem depressiven Menschen zu raten, abzuschalten und für ein paar Tage zu verreisen. Eine fremde Umgebung verstört meist zusätzlich. Raten Sie dem Depressiven auch nicht, "sich zusammenzunehmen" - ein depressiver Mensch kann diese Forderung nicht erfüllen. Dieser Ratschlag verstärkt möglicherweise sogar die Schuldgefühle. Gleiches gilt für Versuche der Aufmunterung. Dagegen sollten Sie Ihr Kind oder Ihren Freund immer dann unterstützen, wenn er Eigeninitiative zeigt.

Treffen Sie keine wichtigen Entscheidungen!

Machen Sie sich immer bewusst, dass Depressive die Realität in vielen Punkten durch die "depressive Brille" sehen. Das heißt, sie sehen verzerrt und treffen deshalb eventuell Entscheidungen, die sie nach überstandener Krankheit vielleicht ganz anders bewerten. Berücksichtigen Sie dies in allen Angelegenheiten, die die private, schulische oder berufliche Zukunft betreffen. Für Patienten und Angehörige ist es hilfreich, sich durch Bücher oder Videos frühzeitig und umfassend über die Erkrankung zu informieren.

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