Diagnostik

Die Depression erkennen

Die Erkrankung als solche zu erkennen ist ein entscheidender Schritt bei der Bewältigung der Depression. Eltern, Angehörige, Freunde und Lehrer spielen dabei eine wichtige Rolle.

Doch an welchem Punkt wird aus normalem "auffälliges" Verhalten?

Wenn sich das symptomatische Verhalten über mehrere Wochen und Monate zeigt, ohne dass es zu einer Restabilisierung kommt, handelt es sich nicht mehr um "normale" alterstypische Veränderungen oder eine nachvollziehbare vorübergehende Reaktion auf eine äußere Belastung (z.B. Verlustsituation), sondern möglicherweise um eine Depression. Bei der leichtgradigen depressiven Erkrankung können Betroffene unter Schwierigkeiten normale schulische und soziale Aktivitäten fortsetzen, eine mittelgradige depressive Episode führt zu erheblichen Schwierigkeiten bei sozialen, häuslichen und schulischen Aufgaben. Bei einer schweren depressiven Erkrankung können allgemeine Aktivitäten kaum fortgeführt werden oder erliegen vollkommen.

Es ist grundsätzlich wichtig, mit Kindern und Jugendlichen, die auffälliges Verhalten zeigen, ein vertrauensvolles und ruhiges Gespräch zu suchen. Wenn nach einem Gespräch der Verdacht auf eine depressive Erkrankung bestehen bleibt, sollte professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden. Die Diagnose muss durch einen Arzt erfolgen. Sie beinhaltet

  • den Ausschluss körperlicher Ursachen der depressiven Symptome (z.B. Schilddrüsenfunktionsstörung)
  • Untersuchung hinsichtlich begleitender psychiatrischer Störungen (z.B. Angststörungen).

Erfahrene Diagnostiker sind zusätzlich darin geschult, mit der bei Jugendlichen häufig beobachteten Verleugnungstendenz und den möglicherweise großen Schamgefühlen hinsichtlich der depressiven Symptomatik umzugehen.

Sollten Angehörige und Freunde folgende Alarmzeichen bemerken, ist in jedem Fall professionelle Unterstützung notwendig:

  • Rückzug von Hobbys und alterstypischen Aktivitäten
  • extremer Leistungsabfall in der Schule
  • extreme Veränderungen in Verhalten und Aussehen
  • Weglaufen von Zuhause
  • Alkohol- und Drogenmissbrauch
  • Isolation von Familie und/oder Gleichaltrigen

Wie geht es weiter?

Der Kinder- oder Hausarzt rät möglicherweise, einen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten oder einen Kinder- und Jugendpsychiater aufzusuchen. Sowohl Psychiater als auch Psychotherapeuten sind auf die Behandlung psychischer Erkrankungen spezialisiert. Mit dem Jugendlichen gemeinsam suchen sie nach den besten Möglichkeiten, die Depression zu behandeln.

Mehr über die Behandlungsmöglichkeiten sind hier zu finden: Behandlung.

Bedeutung der Früherkennung der Depression bei Kindern und Jugendlichen

Eine Depression früh zu erkennen ist wichtig, um das akute Leid der jungen Betroffenen zu lindern. Depressive Jugendliche erleben sich oft als unbeliebt und meinen, keine oder nur wenige Freunde zu haben. Durch ein frühzeitiges Erkennen der Erkrankung können krankheitsbedingte negative Auswirkungen auf die altersgemäße Weiterentwicklung (Zurückfallen in frühere Stufen der Entwicklung oder Fehlentwicklungen) verhindert werden. Zudem haben depressive junge Menschen ein erhöhtes Risiko, auch als Erwachsene an einer Depression oder einer anderen psychischen Krankheit zu erkranken und in soziale und berufliche Anpassungsprobleme zu geraten (Maughan et al., 2013).

Daher ist es wichtig, dass die Depression möglichst früh erkannt und behandelt wird – auch weil depressive Kinder ein dreifach erhöhtes Risiko haben, irgendwann einmal einen Selbsttötungsversuch zu unternehmen (Roberts et al., 2010).

Eine Früherkennung kann folglich Leben retten!

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