Behandlung

Wie wird mir geholfen?

Die Behandlung einer Depression orientiert sich in erster Linie daran, wie stark die Depression ausgeprägt ist und Dich in der Bewältigung Deines Alltags einschränkt. Außerdem wird geschaut, wie motiviert Du bist, Deine derzeitige Situation zu verändern und auf welche Unterstützung Du in Deinem sozialen Umfeld zurückgreifen kannst. Danach wird immer das Hilfsangebot ausgewählt, das für Dich geeignet erscheint. Meist kann eine  Depression ambulant - also in einer psychiatrischen oder psychotherapeutischen Praxis - gut behandelt werden. Schwerere Formen werden in einer Tagesklinik oder Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie behandelt.

Stationäre oder teilstationäre Behandlung, wenn

  • Symptome stark ausgeprägt sind
  • wenn der Alltag kaum noch zu bewältigen ist
  • akute Suizidalität besteht
  • zusätzlich psychotische Symptome, wie z.B. Wahngedanken vorhanden sind
  • begleitende Symptome wie Drogenabhängigkeit, Schulverweigerung, oder familiäre Belastungen bestehen

Ambulante Behandlung, wenn

  • wenn du den Alltag noch bewältigen kannst, z.B. in die Schule oder zur Ausbildung gehen kannst
  • eine leichte bis mittelgradige Depression vorliegt
  • es keine schwerwiegenden begleitenden Erkrankungen gibt
  • keine akute Suizidalität besteht
  • eine stationäre Behandlung abgeschlossen ist

Die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Ulm hat übrigens eine tolle und informative Broschüre zum Aufenthalt in einer solchen Klinik erstellt:

http://www.uniklinik-ulm.de/fileadmin/Zentrale_Seiten/Pressestelle/Presse_2010/Was_ist_denn_schon_normal.pdf

Vor der eigentlichen Behandlung wird noch einmal eine ausführliche Diagnostik durchgeführt. Mithilfe von Fragebögen, Tests und einem genauen Blick auf Dein Verhalten in schwierigen Situationen können Fachleute die Diagnose Depression stellen und den Schweregrad bestimmen. Außerdem können begleitende psychische Erkrankungen wie z.B. Ängste erfasst werden.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung einer Depression im Jugendalter erfolgt meist durch Psychotherapie. Dabei hat sich die Kognitive Verhaltenstherapie als wirksam erwiesen. Manchmal ist es zusätzlich erforderlich, Medikamente zu nehmen. Was bei einer Therapie passiert und wie Medikamente wirken, erklären wir hier.

Psychotherapie

Wenn Du einen Psychotherapeuten gefunden hast, dem Du vertraust und bei dem Du Dich wohlfühlst, kann es losgehen. Zunächst werden gemeinsame Ziele vereinbart, die Du erreichen möchtest. Außerdem erfährst Du eine ganze Menge zur Erkrankung Depression, z.B. dass eine Depression ein Zusammenspiel von biologischen Faktoren, Gefühlen, Denken und Beziehungen ist. Dann wird speziell geschaut, welche Gedanken, welche Handlungen und welche Beziehungen dafür sorgen, dass Du Deine Depression behältst - und was getan werden kann, damit Du wieder die Kontrolle bekommst und etwas verändern kannst

Dein Psychotherapeut wählt für Dich Therapiebausteine aus, die genau für Dich in Deiner Situation helfen sollen. Dazu kann zum Beispiel der Aufbau von Aktivitäten und Tagestruktur gehören, aber auch ein Kommunikationstraining, Übungen zum Lösen von Problemen oder es werden negative Gedanken hinterfragt.

Was kann außerdem helfen?

  • etwas unternehmen
  • an die frische Luft gehen
  • Freunde treffen und mit ihnen reden
  • Sport machen
  • sich etwas Gutes tun (ein heißes Bad, das Lieblingsgericht kochen ...)
  • einem Hobby nachgehen
  • Gedichte schreiben
  • sich etwas trauen und zutrauen
  • Was- ist-schön-Tagebuch schreiben
  • Musik hören oder machen
  • Tanzen
  • und all die anderen Dinge, die Dir noch einfallen und Dir gut tun

Pharmakotherapie - Medikamente bei Depression

Eine Depression hat unter anderem auch hirnorganische, genetische und biochemische Ursachen. Deshalb kann eine depressive Verstimmung auch mit Medikamenten, sogenannten Antidepressiva behandelt werden. Gerade bei jungen Menschen überlegen behandelnde Ärzte genau, bevor sie Medikamente verschreiben. Mit Dir gemeinsam und bei Bedarf mit Deinen Eltern, werden Vor- und Nachteile besprochen und Du wirst über mögliche Nebenwirkungen aufgeklärt. 

In besonders schweren Fällen, bei Suizidgedanken oder wenn eine Psychotherapie allein nicht ausreicht, kann es sein, dass Dir ein Medikament empfohlen wird. Oftmals ist eben die Kombination von Therapie und Psychotherapie besonders hilfreich.

Bei einer Depression kommt es zu einem Ungleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn. Antidepressiva helfen, wieder Gleichgewicht und Ordnung herzustellen. Das geschieht, indem die Medikamente dafür sorgen, dass z.B. mehr Serotonin ("Glückshormon") vorhanden ist. Antidepressiva machen nicht abhängig.

Wichtig!

Antidepressiva wirken nicht sofort. Bei jungen Menschen kann es schon mal etwa zwei Monate dauern, bis die gewünschte Wirkung - auch für Dich selbst spürbar - eintritt. Bis es soweit ist, ist eine gute Unterstützung von Ärzten und Therapeuten besonders wichtig.

Sprich Deine Bedenken an und stelle all Deine Fragen!

 

Mehler-Wex, C. (2008): Depressive Störungen (Manuale psychischer Störungen bei Kindern und Jugendlichen).

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