Ursachen

Warum werden Kinder und Jugendliche depressiv?

Eine Depression hat nicht nur eine einzige Ursache. Meist führt ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren zur Erkrankung. Auch bei einer Depression eines Kindes/Jugendlichen gibt es sowohl psychosoziale als auch neurobiologische Aspekte, die bei der Krankheitsentstehung eine Rolle spielen. Frühkindliche Erfahrungen beispielsweise, die sich auf die Persönlichkeitsentwicklung auswirken, aber auch biologische/genetische Faktoren können zu einem erhöhten Erkrankungsrisiko führen. So haben z.B. Kinder, deren Eltern an Depression leiden, ein dreimal höheres Risiko, depressiv zu erkranken. (Preiß & Remschmidt, 2007; Weissman et al., 2006) Es gibt depressive Episoden, die ohne erkennbaren äußeren Anlass auftreten, aber auch solche mit einem Auslöser: Auslöser einer Depression können kritische Lebensereignisse sein, z.B. die Scheidung der Eltern oder Missbrauch. Aber auch altersspezifische Ereignisse außerhalb der Familie (Liebeskummer, Misserfolge, Mobbing etc.) können für manche Jugendliche zum Auslöser einer depressiven Episode werden.

Daneben spielen, wie beim Erkrankungsrisiko auch, neurobiologische Faktoren (z.B. Veränderung der Stresshormonproduktion) eine Rolle. Doch längst nicht jedes Kind, das einschneidende Ereignisse zu verkraften hat, erkrankt an einer Depression. Es gibt viele Schutzfaktoren (sog. Resilienzfaktoren), die Kindern helfen, mit solchen Lebensereignissen fertig zu werden. Schutzfaktoren dieser Art sind z.B. stabile familiäre Beziehungen, ein guter Freundeskreis, aber auch Persönlichkeitsfaktoren wie Selbstvertrauen, Konfliktfähigkeit und Optimismus (Costello et al., 2008).

Wie für Erwachsene gilt auch für Kinder beim Auftreten einer Depression: Immer sind mehrere Faktoren zusammengekommen, die für dieses spezielle Kind, mit seiner individuellen, emotionalen Verwundbarkeit sprichwörtlich "das Fass zum Überlaufen" brachten.

 

Depression ist kein Zeichen persönlichen Versagens, mit schwierigen Lebensumständen umzugehen, sondern eine Erkrankung.

Ein depressives Kind ist nicht faul, aggressiv oder unerträglich, weil es so sein will. Ein depressives Kind ist krank und braucht Hilfe. Ein depressives Kind ist auch kein Grund, an den elterlichen Fähigkeiten zu zweifeln, aber es ist ein Grund, fachliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

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